Die 580.000 Beschäftigten in der deutschen Chemie- und Pharmaindustrie erhalten künftig mehr Geld und eine neue arbeitgeberfinanzierte Pflegeversicherung. Darauf haben sich die Gewerkschaft IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) und der Bundesverband der Arbeitgeberverbände Chemie (BAVC) in ihren Tarifverhandlungen geeinigt. So werden die Löhne ab Juli 2020 um 1,5 Prozent steigen. Ab Juli 2021 sollen die Gehälter für neun Monate um weitere 1,3 Prozent steigen, wie beide Seiten in Wiesbaden mitteilten. Für das erste Halbjahr 2020 sollten einmalige Zahlungen erfolgen. Der neue Tarifvertrag in der chemischen Industrie steht. Die IG BCE konnte ein zukunftsfähiges Arbeitszeitkonto und eine arbeitgeberfinanzierte Pflegeversicherung erreichen. Die Arbeitgeber haben sich mit einer langen Laufzeit von bis zu 29 Monaten zusammengesitzen, die spätestens im März 2022 endet. Sie sprachen auch von leeren Monaten für 2019. “Mit einer außerordentlich langen Lebensdauer und sehr moderaten Gebührenerhöhungen konnten wir unsere wichtigsten Ziele erreichen”, sagte BAVC-Verhandlungsführer Georg Müller.

Mit dem längsten Lauf seit 1987 gibt die Vereinbarung Unternehmen eine lange Planungssicherheit. Darüber hinaus soll die Weiterbildung die Menschen in Deutschlands drittgrößter Industrienachsorge nach dem Automobil- und Maschinenbau fit für die Digitalisierung machen. Die IG BCE, die zuvor “spürbare” Lohnerhöhungen über der Inflation gefordert hatte, musste sich nun mit moderaten Erhöhungen begnügen. Dafür hat die Gewerkschaft die Zusatzkrankenversicherung durchgesetzt, die laut IG BCE im Juli 2021 gegründet wird. Die Arbeitgeber zahlen die Prämie für Arbeitnehmer mit mehr als sechsmonatiger Beschäftigung. Bei einer Langzeitpflege hat die Politik ihren Preis. Bei der Pflege erhält der Versicherte 300 Euro pro Monat für die ambulante Behandlung und 1000 Euro pro Monat für die stationäre Versorgung. Die Versicherung kann privat erhöht oder auf Familienmitglieder ausgedehnt werden. Die IG BCE sprach von einer bundesweit einmaligen Regelung. Beide Seiten einigten sich auch auf ein künftiges Konto, um Arbeitszeit zu sparen.

Dies soll den Mitarbeitern mehr Flexibilität geben, indem sie zusätzliche freie Tage, langfristige Ersparnisse oder Ruhezeiten in Anspruch nehmen. Das Konto wird 2020 beginnen und bis 2022 auf fünf freie Tage pro Jahr oder 23 Prozent des monatlichen festverzinslichen Einkommens anwachsen, so die IG BCE. Die Arbeitgeber betonten, dass aber auch individuell längere Arbeitszeiten vereinbart werden könnten. Die Arbeit wird in allen Unternehmen sichergestellt. Die IG BCE und der Bundesverband der Arbeitgeberverbände Chemie waren mit komplexen Diskussionen in die zweite Runde gestartet, die durch den starken Umsatzrückgang in der Branche in diesem Jahr behindert wurden.